POEM bei Achalasie – endoskopische Behandlung ohne Operation
Moderne, minimalinvasive Therapie von Achalasie und ausgewählten spastischen Bewegungsstörungen der Speiseröhre.
Schluckbeschwerden, das Gefühl, dass Nahrung in der Speiseröhre stecken bleibt, oder das Zurückfliessen unverdauter Speisen können Hinweise auf eine Achalasie sein. Bei dieser seltenen Funktionsstörung öffnet sich der untere Speiseröhrenschliessmuskel beim Schlucken nicht ausreichend. Gleichzeitig ist die normale Transportbewegung der Speiseröhre gestört.
Mit der peroralen endoskopischen Myotomie (POEM) steht heute ein modernes, minimalinvasives Verfahren zur Verfügung, mit dem die Muskulatur am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen gezielt durchtrennt werden kann.
Die Behandlung erfolgt mit einem flexiblen Endoskop durch den Mund. Ein chirurgischer Zugang über die Bauchdecke ist nicht notwendig.
POEM gehört heute zu den etablierten Behandlungsmöglichkeiten der Achalasie und bietet insbesondere bei der spastischen Achalasie Typ III wichtige Vorteile.
Bei Vivomed – Gastroenterologie Bern steht die präzise Diagnostik von Schluckstörungen und Motilitätsstörungen der Speiseröhre im Mittelpunkt. Mithilfe moderner Funktionsdiagnostik, insbesondere der hochauflösenden Ösophagusmanometrie, kann die Erkrankung differenziert beurteilt und die geeignete Behandlung ausgewählt werden.
Was ist eine Achalasie?
Die Achalasie ist eine chronische Motilitätsstörung der Speiseröhre, bei der die normale Weiterleitung von Nahrung in den Magen beeinträchtigt ist.
Bei einem gesunden Schluckvorgang transportieren koordinierte Muskelbewegungen (Peristaltik) die Nahrung in Richtung Magen. Gleichzeitig entspannt sich der untere Ösophagussphinkter, damit die Nahrung passieren kann.
Bei der Achalasie ist diese Entspannung gestört. Zusätzlich fehlen die normalen peristaltischen Bewegungen der Speiseröhre oder werden durch krankhafte Kontraktionen ersetzt.
Dadurch können Nahrung und Flüssigkeit in der Speiseröhre zurückbleiben. Im Verlauf kann sich die Speiseröhre erweitern und ihre Entleerungsfunktion weiter verschlechtern.
Welche Symptome verursacht eine Achalasie?
- Schluckbeschwerden (Dysphagie): Schwierigkeiten beim Schlucken fester und häufig auch flüssiger Nahrung.
- Steckenbleiben von Nahrung: Gefühl eines Hindernisses hinter dem Brustbein.
- Regurgitation: Zurückfliessen unverdauter Nahrung, teilweise besonders nachts.
- Brustschmerzen: Druckgefühl oder krampfartige Schmerzen hinter dem Brustbein.
- Husten und Verschlucken: Besonders im Liegen durch zurückfliessende Nahrung.
- Langsames Essen: Häufiges Nachtrinken, um Nahrung in den Magen zu transportieren.
- Gewichtsverlust: Bei ausgeprägter oder länger bestehender Erkrankung.
Da ähnliche Beschwerden auch bei Refluxkrankheit, mechanischen Engstellen oder Tumorerkrankungen auftreten können, ist eine sorgfältige gastroenterologische Abklärung wichtig.
Welche Formen der Achalasie gibt es?
Die Achalasie wird anhand der hochauflösenden Ösophagusmanometrie nach der Chicago-Klassifikation Version 4.0 in drei Haupttypen eingeteilt.
Achalasie Typ I – klassische Achalasie
Bei der Typ-I-Achalasie fehlen normale peristaltische Kontraktionen der Speiseröhre. Gleichzeitig ist die Entspannung des unteren Speiseröhrenschliessmuskels unzureichend.
Die Nahrung kann deshalb nur erschwert in den Magen gelangen.
Achalasie Typ II – Achalasie mit panösophagealer Druckbildung
Auch bei der Typ-II-Achalasie fehlt die normale Peristaltik. Zusätzlich entsteht beim Schlucken in einem relevanten Anteil der Schluckakte ein gleichzeitiger Druckaufbau in der gesamten Speiseröhre.
Die Typ-II-Achalasie spricht häufig gut auf unterschiedliche etablierte Behandlungsverfahren an, darunter die pneumatische Ballondilatation, die chirurgische Heller-Myotomie und POEM.
Achalasie Typ III – spastische Achalasie
Bei der Typ-III-Achalasie stehen vorzeitige beziehungsweise spastische Kontraktionen der Speiseröhrenmuskulatur im Vordergrund.
Zusätzlich ist die Entspannung des unteren Speiseröhrenschliessmuskels gestört.
Diese Erkrankungsform kann neben Schluckbeschwerden auch ausgeprägte Brustschmerzen verursachen.
Gerade bei der Typ-III-Achalasie bietet POEM einen wichtigen Vorteil: Die Länge der Myotomie kann an den betroffenen spastischen Abschnitt der Speiseröhre angepasst werden.
Aktuelle Empfehlungen betrachten POEM deshalb als besonders geeignete Behandlungsmöglichkeit bei der Typ-III-Achalasie.
Wie wird eine Achalasie diagnostiziert?
Eine zuverlässige Diagnose ist Voraussetzung für die Wahl der geeigneten Behandlung.
Bei Vivomed stehen dafür moderne gastroenterologische und funktionsdiagnostische Untersuchungen zur Verfügung.
Hochauflösende Ösophagusmanometrie (HREM)
Die High Resolution Ösophagusmanometrie (HREM) ist die wichtigste Untersuchung zur Diagnosesicherung einer Achalasie.
Mit einer dünnen Messsonde werden die Druckverhältnisse und Bewegungsabläufe innerhalb der Speiseröhre während des Schluckens untersucht.
Dadurch lassen sich unter anderem bestimmen:
- Die Entspannung des unteren Ösophagussphinkters.
- Die koordinierte beziehungsweise gestörte Kontraktionsaktivität der Speiseröhre.
- Das Vorliegen einer Achalasie.
- Die Unterscheidung zwischen Achalasie Typ I, II und III.
- Andere relevante Motilitätsstörungen des Ösophagus.
Die Interpretation erfolgt anhand der Chicago-Klassifikation Version 4.0.
Die exakte Unterscheidung der Motilitätsstörungen ist besonders wichtig, weil sich daraus unterschiedliche therapeutische Konsequenzen ergeben können.
Gastroskopie – Ausschluss anderer Ursachen
Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) ist ein wichtiger Bestandteil der Abklärung.
Sie dient unter anderem dazu, mechanische Engstellen, entzündliche Veränderungen und mögliche Tumorerkrankungen auszuschliessen.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer primären Achalasie und einer sogenannten Pseudoachalasie, die beispielsweise durch eine tumorbedingte Verengung am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen entstehen kann.
Breischluck und zeitgesteuerte Ösophagusentleerung
Bei einer radiologischen Kontrastmitteluntersuchung kann beurteilt werden, wie gut sich die Speiseröhre entleert und ob eine Erweiterung oder charakteristische Engstelle am unteren Speiseröhrenende vorliegt.
Der zeitgesteuerte Bariumbreischluck (Timed Barium Esophagram, TBE) kann sowohl vor als auch nach einer Behandlung wichtige Informationen über die Speiseröhrenentleerung liefern.
EndoFLIP – ergänzende Funktionsdiagnostik
Bei ausgewählten Fragestellungen kann die Öffnungsfähigkeit des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen ergänzend mittels EndoFLIP (Functional Luminal Imaging Probe) untersucht werden.
Diese Methode misst unter anderem die Dehnbarkeit und den Durchmesser des gastroösophagealen Übergangs.
EndoFLIP kann zusätzliche Informationen zur mechanischen Öffnungsfähigkeit liefern, ersetzt aber nicht generell die hochauflösende Ösophagusmanometrie.
Was ist POEM – perorale endoskopische Myotomie?
POEM (Peroral Endoscopic Myotomy) ist ein endoskopisches Verfahren zur Behandlung der Achalasie.
Im Unterschied zu einer chirurgischen Operation erfolgt der Zugang durch den Mund und die Speiseröhrenwand. Es werden keine äusseren Schnitte an der Bauchdecke benötigt.
Ziel der Behandlung ist es, den erhöhten Widerstand am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen zu reduzieren.
Dazu wird die für die Abflussbehinderung verantwortliche Muskulatur gezielt durchtrennt.
Die POEM nutzt hierfür die sogenannte Third-Space-Endoscopy, bei der ein endoskopischer Tunnel zwischen Schleimhaut und Muskelschicht angelegt wird.
Die Länge der Muskelspaltung kann je nach Achalasie-Typ, anatomischen Verhältnissen und manometrischem Befund individuell angepasst werden.
Wie läuft eine POEM-Behandlung ab?
Die POEM ist ein technisch anspruchsvoller endoskopischer Eingriff, der in spezialisierten Zentren durchgeführt wird.
1. Vorbereitung und Allgemeinanästhesie
Vor dem Eingriff werden die Diagnose, die bisherigen Untersuchungen und mögliche Risikofaktoren überprüft.
Die Behandlung erfolgt unter Allgemeinanästhesie mit gesichertem Atemweg. Aufgrund möglicher Nahrungsreste in der Speiseröhre können besondere Vorbereitungsmassnahmen erforderlich sein.
2. Zugang zur Speiseröhrenwand
Ein flexibles Endoskop wird über den Mund in die Speiseröhre eingeführt.
Einige Zentimeter oberhalb des unteren Speiseröhrenschliessmuskels wird eine kleine Öffnung in der Schleimhaut geschaffen.
3. Bildung eines submukosalen Tunnels
Zwischen der Schleimhaut und der darunterliegenden Muskelschicht wird ein Tunnel angelegt.
Dieser Tunnel reicht über den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen hinaus.
Die oberflächliche Schleimhaut bleibt dabei weitgehend erhalten und bildet später eine Schutzschicht über dem behandelten Muskelabschnitt.
4. Endoskopische Myotomie
Innerhalb des Tunnels wird die betroffene Muskulatur gezielt durchtrennt.
Die Länge der Myotomie richtet sich nach dem Achalasie-Typ und dem individuellen Befund.
Bei einer Typ-III-Achalasie kann eine längere Myotomie erforderlich sein, um zusätzlich spastische Abschnitte der Speiseröhre zu behandeln.
5. Verschluss der Schleimhautöffnung
Nach Abschluss der Myotomie wird der Zugang zur Schleimhaut mit endoskopischen Clips oder einem geeigneten Verschlusssystem verschlossen.
Der Eingriff erfolgt vollständig endoskopisch ohne Bauchschnitt.
6. Überwachung und Kostaufbau
Nach der Behandlung erfolgt eine medizinische Überwachung, üblicherweise im Rahmen eines stationären Aufenthalts.
Der Kostaufbau beginnt nach ärztlicher Freigabe zunächst mit Flüssigkeiten und wird anschliessend schrittweise auf weiche und später normale Nahrung erweitert.
Die genaue Dauer des Aufenthalts und der Ernährungsanpassung richtet sich nach dem individuellen Verlauf.
Für wen eignet sich eine POEM-Behandlung?
POEM kann bei verschiedenen Formen der Achalasie eine geeignete Behandlungsmöglichkeit sein.
Besonders relevant ist das Verfahren bei:
- Achalasie Typ I: Als Alternative zur pneumatischen Dilatation oder chirurgischen Heller-Myotomie.
- Achalasie Typ II: Als etablierte Therapieoption mit hoher klinischer Wirksamkeit.
- Achalasie Typ III: Besonders geeignet aufgrund der Möglichkeit einer individuell verlängerten Myotomie.
- Rezidivierender Achalasie: Bei erneut auftretenden Beschwerden nach vorausgegangener Behandlung.
- Nach vorheriger Ballondilatation: Wenn keine ausreichende oder dauerhafte Beschwerdebesserung erzielt wurde.
- Nach chirurgischer Heller-Myotomie: In ausgewählten Fällen als erneute interventionelle Behandlung.
Bei anderen spastischen Bewegungsstörungen der Speiseröhre, beispielsweise einem distalen Ösophagusspasmus oder hyperkontraktilen Ösophagus, ist die Evidenz für POEM begrenzter.
Eine Behandlung sollte in diesen Situationen nur nach sorgfältiger Diagnostik und individueller Abwägung erfolgen.
Die Therapieentscheidung berücksichtigt neben dem manometrischen Befund auch Alter, Vorerkrankungen, Anatomie, Vorbehandlungen und persönliche Präferenzen.
POEM oder Ballondilatation – welche Behandlung ist besser?
Die pneumatische Ballondilatation ist ein seit vielen Jahren etabliertes Verfahren zur Behandlung der Achalasie.
Bei dieser Methode wird der untere Speiseröhrenschliessmuskel mithilfe eines speziellen Ballons kontrolliert aufgedehnt.
Durch die Dehnung werden Muskelfasern aufgespalten und der Widerstand am gastroösophagealen Übergang reduziert.
Insbesondere bei Achalasie Typ I und II können mit einer schrittweisen pneumatischen Dilatation gute langfristige Ergebnisse erzielt werden.
Im Unterschied dazu erfolgt bei POEM eine gezielte endoskopische Durchtrennung der Muskulatur.
Vorteile von POEM
- Gezielte Myotomie unter endoskopischer Sicht.
- Individuell anpassbare Länge der Muskelspaltung.
- Besonders geeignet bei Typ-III-Achalasie.
- Auch bei ausgewählten Patienten nach vorheriger Behandlung möglich.
Vorteile der pneumatischen Ballondilatation
- Kein endoskopischer Tunnel und keine chirurgische Muskelpräparation notwendig.
- Etabliertes Verfahren mit umfangreichen Langzeitdaten.
- Bei Achalasie Typ I und II häufig sehr wirksam.
- Eine erneute oder stufenweise Dilatation ist bei Bedarf möglich.
Randomisierte Studien zeigen eine hohe Wirksamkeit der POEM. Gleichzeitig bleibt die pneumatische Dilatation insbesondere bei Typ I und II eine wichtige etablierte Alternative.
Die Wahl sollte deshalb individuell erfolgen und auch das langfristige Risiko eines gastroösophagealen Refluxes berücksichtigen.
POEM oder chirurgische Heller-Myotomie?
Bei der laparoskopischen Heller-Myotomie wird die Muskulatur des unteren Ösophagus über einen chirurgischen Zugang durch die Bauchdecke gespalten.
Häufig erfolgt zusätzlich eine partielle Fundoplikatio, um das Risiko eines späteren gastroösophagealen Refluxes zu reduzieren.
POEM verfolgt ein vergleichbares therapeutisches Ziel, erfolgt jedoch vollständig endoskopisch.
Beide Verfahren sind bei geeigneten Patienten wirksame Behandlungsmöglichkeiten der Achalasie.
Ein wichtiger Vorteil der POEM ist die Möglichkeit, auch längere spastische Abschnitte der Speiseröhre endoskopisch zu behandeln.
Die Heller-Myotomie mit Fundoplikatio bietet dagegen den Vorteil einer gleichzeitig durchführbaren Antirefluxmassnahme.
Insbesondere das Risiko einer Refluxerkrankung nach POEM ist ein wichtiger Bestandteil der individuellen Therapieentscheidung.
Wie erfolgreich ist POEM bei Achalasie?
POEM gehört heute zu den wirksamsten etablierten Behandlungsverfahren der Achalasie.
Randomisierte klinische Studien zeigen, dass bei einem grossen Teil der behandelten Patienten eine deutliche Verbesserung der Schluckbeschwerden erreicht werden kann.
In einer randomisierten Studie zur Behandlung bislang unbehandelter Achalasie lag der klinische Erfolg nach zwei Jahren bei 92 % nach POEM gegenüber 54 % nach dem untersuchten pneumatischen Dilatationsprotokoll.[1]
Eine weitere randomisierte Studie zeigte nach zwei Jahren vergleichbare klinische Erfolgsraten von ungefähr 83 % für POEM und 82 % für die laparoskopische Heller-Myotomie mit partieller Fundoplikatio.[2]
Diese Ergebnisse stammen aus definierten Studienpopulationen und lassen sich nicht uneingeschränkt auf jede Form oder jedes Stadium der Achalasie übertragen.
Langfristig können erneut Beschwerden auftreten und weitere Behandlungen notwendig werden.
Das Ziel der POEM ist eine dauerhafte Verbesserung der Speiseröhrenentleerung und der Schluckfunktion. Die zugrunde liegende neuromuskuläre Erkrankung wird dadurch jedoch nicht beseitigt.
Wie wird der Behandlungserfolg nach POEM beurteilt?
Zur standardisierten Beurteilung der Symptome wird häufig der Eckardt-Score eingesetzt.
Dieser erfasst vier wichtige Merkmale der Achalasie:
- Schluckbeschwerden (Dysphagie).
- Zurückfliessen von Nahrung (Regurgitation).
- Brustschmerzen.
- Gewichtsverlust.
Jedes Merkmal wird mit null bis drei Punkten bewertet, sodass sich ein Gesamtscore zwischen 0 und 12 ergibt.
In klinischen Studien wird ein Eckardt-Score von höchstens 3 häufig als Kriterium für den klinischen Behandlungserfolg verwendet.
Der Score allein reicht jedoch nicht immer aus, um eine weiterhin bestehende oder erneut auftretende Abflussbehinderung sicher zu erkennen.
Bei Bedarf werden deshalb ergänzende Untersuchungen wie ein zeitgesteuerter Bariumbreischluck, eine Gastroskopie oder eine erneute Funktionsdiagnostik durchgeführt.
Welche Risiken und Komplikationen hat POEM?
POEM ist ein minimalinvasives, jedoch technisch anspruchsvolles endoskopisches Verfahren.
Mögliche Komplikationen sind:
- Blutungen während oder nach dem Eingriff.
- Verletzungen der Speiseröhrenschleimhaut.
- Austritt von CO₂ in umliegende Gewebsräume.
- Pneumomediastinum oder Pneumoperitoneum.
- Entzündliche Komplikationen.
- Selten grössere Perforationen oder die Notwendigkeit weiterer Eingriffe.
- Gastroösophagealer Reflux nach der Behandlung.
Schwerwiegende unmittelbar eingriffsbedingte Komplikationen sind in erfahrenen Zentren insgesamt selten.
Besonders relevant für die langfristige Betreuung ist jedoch die mögliche Entwicklung einer Refluxkrankheit nach Durchtrennung des unteren Speiseröhrenschliessmuskels.
Reflux nach POEM – warum sind Nachkontrollen wichtig?
Der untere Speiseröhrenschliessmuskel verhindert normalerweise, dass Magensäure aus dem Magen in die Speiseröhre zurückfliesst.
Da bei POEM ein Teil dieser Muskulatur durchtrennt wird, kann nach der Behandlung vermehrt gastroösophagealer Reflux auftreten.
Im Unterschied zur chirurgischen Heller-Myotomie wird bei einer konventionellen POEM normalerweise keine zusätzliche Fundoplikatio durchgeführt.
Randomisierte Studien und Metaanalysen zeigen deshalb nach POEM häufiger eine pathologische Säureexposition beziehungsweise eine Refluxösophagitis als nach bestimmten alternativen Behandlungsverfahren.
Wichtig ist, dass Reflux nach POEM auch ohne typisches Sodbrennen auftreten kann.
Eine fehlende Refluxsymptomatik schliesst eine relevante Säurebelastung der Speiseröhre deshalb nicht sicher aus.
Wie wird Reflux nach POEM kontrolliert?
Je nach individueller Situation können folgende Massnahmen sinnvoll sein:
- Behandlung mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI).
- Endoskopische Kontrolle der Speiseröhrenschleimhaut.
- Ambulante pH-Metrie oder Impedanz-pH-Metrie bei ausgewählten Fragestellungen.
- Überprüfung möglicher Refluxsymptome und der Lebensqualität.
- Langfristige Behandlung bei nachgewiesener relevanter Refluxkrankheit.
Aktuelle Empfehlungen betonen, dass nach POEM eine endoskopische Beurteilung insbesondere bei Refluxbeschwerden sinnvoll ist. Auch bei beschwerdefreien Patienten kann eine periodische Untersuchung individuell erwogen werden.
Eine lebenslange säurehemmende Therapie ist nicht bei allen Patienten erforderlich. Ihre Notwendigkeit richtet sich nach den Beschwerden und objektiven Befunden.
Was geschieht nach einer POEM-Behandlung?
Nach dem Eingriff erfolgt zunächst eine klinische Überwachung. Die Nahrungsaufnahme wird anschliessend schrittweise wieder aufgebaut.
In den ersten Tagen stehen normalerweise Flüssigkeiten und weiche Speisen im Vordergrund.
Im weiteren Verlauf wird die Ernährung entsprechend dem Heilungsverlauf angepasst.
Bei den Nachkontrollen achten wir insbesondere auf:
- Verbesserung der Schluckbeschwerden.
- Rückgang von Regurgitation und Nahrungsstau.
- Verbesserung der Nahrungsaufnahme und des Körpergewichts.
- Verlauf des Eckardt-Scores.
- Mögliche Entwicklung einer Refluxkrankheit.
- Notwendigkeit einer säurehemmenden Therapie.
- Hinweise auf eine erneut eingeschränkte Speiseröhrenentleerung.
Die langfristige Betreuung ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Achalasiebehandlung.
Kann eine Achalasie nach POEM erneut auftreten?
Auch nach zunächst erfolgreicher POEM können im weiteren Verlauf erneut Schluckbeschwerden entstehen.
Mögliche Ursachen sind unter anderem:
- Eine unzureichende oder erneut eingeschränkte Öffnung des gastroösophagealen Übergangs.
- Fortschreitende Veränderungen der Speiseröhrenfunktion.
- Vernarbungen oder entzündliche Engstellen.
- Eine Refluxösophagitis.
- Andere funktionelle oder strukturelle Erkrankungen.
Bei wiederkehrenden Beschwerden ist deshalb eine erneute Diagnostik entscheidend, bevor eine weitere Behandlung geplant wird.
Je nach Befund können eine erneute pneumatische Dilatation, eine weitere endoskopische Therapie oder ein chirurgisches Verfahren infrage kommen.
POEM und G-POEM – was ist der Unterschied?
POEM und G-POEM gehören beide zu den modernen Verfahren der therapeutischen Endoskopie. Sie verwenden eine verwandte Tunneltechnik, behandeln jedoch unterschiedliche Funktionsstörungen.
- POEM (Peroral Endoscopic Myotomy): Behandlung der Achalasie und ausgewählter spastischer Motilitätsstörungen der Speiseröhre. Die Myotomie erfolgt im Bereich der Speiseröhre und des unteren Ösophagussphinkters.
- G-POEM (Gastric Peroral Endoscopic Myotomy): Behandlung ausgewählter Formen der therapieresistenten Gastroparese. Hierbei wird die Muskulatur des Magenausgangs (Pylorus) durchtrennt.
Obwohl beide Verfahren auf ähnlichen endoskopischen Techniken beruhen, unterscheiden sie sich wesentlich hinsichtlich Indikation, Behandlungsziel und wissenschaftlicher Evidenz.
Häufige Fragen zur POEM-Behandlung bei Achalasie (FAQ)
Ist POEM eine Operation?
POEM ist ein invasiver endoskopischer Eingriff unter Allgemeinanästhesie. Im Unterschied zur klassischen chirurgischen Operation erfolgt die Behandlung vollständig über den Mund, ohne Bauchschnitte.
Wird bei POEM ein Teil der Speiseröhre entfernt?
Nein. Bei POEM wird kein Teil der Speiseröhre entfernt. Ziel ist die kontrollierte Durchtrennung der für die Abflussbehinderung verantwortlichen Muskulatur.
Wie lange dauert eine POEM?
Die Dauer hängt von der Anatomie, dem Achalasie-Typ und der erforderlichen Länge der Myotomie ab. Häufig dauert die Behandlung ungefähr 60 bis 120 Minuten, kann jedoch auch mehr Zeit beanspruchen.
Wie lange bleibt man nach POEM im Spital?
Üblicherweise erfolgt eine stationäre Überwachung für mindestens eine Nacht. Die genaue Aufenthaltsdauer richtet sich nach dem Eingriffsverlauf und dem individuellen Gesundheitszustand.
Kann Achalasie durch POEM vollständig geheilt werden?
POEM kann das Abflusshindernis am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen wirksam reduzieren. Die zugrunde liegende Störung der nervalen Steuerung wird dadurch jedoch nicht rückgängig gemacht. Eine deutliche und langfristige Verbesserung der Schluckfunktion ist häufig möglich.
Ist POEM bei Achalasie Typ III besonders geeignet?
Ja. Bei der spastischen Typ-III-Achalasie kann die Länge der Myotomie individuell an den betroffenen Abschnitt der Speiseröhre angepasst werden. Deshalb betrachten aktuelle Empfehlungen POEM als bevorzugte Behandlungsoption für viele geeignete Patienten mit Typ-III-Achalasie.
Kann POEM auch nach einer früheren Heller-Myotomie durchgeführt werden?
In ausgewählten Fällen ja. Vor einer erneuten Behandlung müssen jedoch die Anatomie, mögliche Vernarbungen und die Ursache der wiederkehrenden Beschwerden sorgfältig untersucht werden.
Wie hoch ist das Risiko für Reflux nach POEM?
Nach POEM tritt gastroösophagealer Reflux häufiger auf als nach einer chirurgischen Heller-Myotomie mit Fundoplikatio. Die Häufigkeit hängt davon ab, ob Beschwerden, eine endoskopische Speiseröhrenentzündung oder eine erhöhte Säureexposition gemessen werden. Nicht jeder objektiv nachgewiesene Reflux verursacht Sodbrennen.
Ist nach POEM eine lebenslange Einnahme von Magensäureblockern notwendig?
Nicht grundsätzlich. Bei nachgewiesener Refluxösophagitis oder pathologischer Säureexposition kann jedoch eine längerfristige Behandlung mit Protonenpumpenhemmern sinnvoll oder erforderlich sein.
Welche Untersuchung ist vor einer POEM besonders wichtig?
Die hochauflösende Ösophagusmanometrie ist entscheidend zur Sicherung der Achalasiediagnose und zur Unterscheidung der Achalasie-Typen. Ergänzend wird eine Gastroskopie durchgeführt. Je nach Fragestellung können weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
Wird eine POEM-Behandlung von der Krankenkasse übernommen?
Die Kostenübernahme hängt von der medizinischen Indikation, den geltenden schweizerischen Vergütungsregelungen und dem Behandlungssetting ab. Eine notwendige Kostengutsprache sollte vor dem Eingriff individuell geklärt werden.
Achalasie und Schluckstörungen bei Vivomed – Gastroenterologie Bern
Die erfolgreiche Behandlung einer Achalasie beginnt mit einer präzisen Diagnose.
Bei Vivomed – Gastroenterologie Bern bieten wir eine spezialisierte Abklärung von Schluckstörungen und Motilitätsstörungen der Speiseröhre.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der hochauflösenden Ösophagusmanometrie (HREM) und der differenzierten Beurteilung komplexer Bewegungsstörungen nach der Chicago-Klassifikation Version 4.0.
Ergänzende endoskopische und funktionelle Untersuchungen ermöglichen eine individuelle Einschätzung der Ursache und des Schweregrads der Beschwerden.
Auf dieser Grundlage kann beurteilt werden, ob eine pneumatische Ballondilatation, eine endoskopische POEM oder eine chirurgische Heller-Myotomie die geeignete Behandlung darstellt.
Auch bei anhaltenden oder erneut auftretenden Beschwerden nach einer früheren Achalasiebehandlung ist eine spezialisierte gastroenterologische Beurteilung sinnvoll.
Unser Ziel ist eine gezielte, möglichst schonende und langfristig wirksame Behandlung – abgestimmt auf den individuellen Befund und die Bedürfnisse unserer Patientinnen und Patienten.
Termin zur Abklärung von Schluckbeschwerden und Achalasie in Bern
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Wissenschaftliche Quellen und Leitlinien
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