G-POEM bei Gastroparese – endoskopische Behandlung der verzögerten Magenentleerung ohne Bauchschnitt

Moderne, minimalinvasive Pyloromyotomie bei verzögerter Magenentleerung und therapieresistenter Gastroparese.

Anhaltende Übelkeit, frühes Sättigungsgefühl, Völlegefühl nach dem Essen oder wiederholtes Erbrechen können Hinweise auf eine Gastroparese sein. Bei dieser Erkrankung entleert sich der Magen verzögert, obwohl keine mechanische Verengung den Weitertransport der Nahrung verhindert.

Wenn Ernährungsanpassungen und Medikamente keine ausreichende Besserung bewirken und eine verzögerte Magenentleerung objektiv nachgewiesen wurde, kann für ausgewählte Patienten eine G-POEM (Gastric Peroral Endoscopic Myotomy) infrage kommen.

Bei diesem modernen endoskopischen Verfahren wird die Muskulatur des Magenausgangs (Pylorus) gezielt durchtrennt. Dadurch kann der Abflusswiderstand reduziert und die Magenentleerung verbessert werden.

Die Behandlung erfolgt über ein flexibles Endoskop durch den Mund. Ein Bauchschnitt oder eine operative Entfernung von Magengewebe ist nicht erforderlich.

Bei Vivomed – Gastroenterologie Bern steht die differenzierte Abklärung von Magenentleerungsstörungen im Mittelpunkt. Eine sorgfältige Diagnostik und Patientenauswahl sind entscheidend, um zu beurteilen, ob eine pylorusgerichtete Behandlung wie G-POEM sinnvoll ist.

Was ist eine Gastroparese?

Die Gastroparese ist eine Störung der Magenbeweglichkeit (Motilitätsstörung), bei der sich der Magen deutlich langsamer als normal entleert.

Normalerweise sorgen koordinierte Muskelbewegungen des Magens und eine geregelte Öffnung des Magenausgangs dafür, dass Nahrung portionsweise in den Zwölffingerdarm weitertransportiert wird.

Bei einer Gastroparese kann dieser Ablauf durch eine gestörte Muskelaktivität, eine Beeinträchtigung der nervalen Steuerung oder eine veränderte Funktion des Pylorus gestört sein.

Welche Symptome verursacht eine Gastroparese?

Typische Beschwerden sind:

  • Übelkeit: Häufig nach dem Essen, teilweise auch unabhängig von Mahlzeiten.
  • Erbrechen: Gelegentlich von Nahrung, die bereits mehrere Stunden zuvor aufgenommen wurde.
  • Frühes Sättigungsgefühl: Bereits kleine Mahlzeiten führen zu einem ausgeprägten Gefühl der Sättigung.
  • Völlegefühl: Anhaltende Magenfülle nach dem Essen.
  • Oberbauchbeschwerden: Druckgefühl, Blähungen oder Schmerzen.
  • Verminderte Nahrungsaufnahme: Bei schweren Verläufen mit Gewichtsverlust oder Mangelernährung.
  • Schwankende Blutzuckerwerte: Insbesondere bei Patienten mit Diabetes mellitus.

Die Beschwerden können individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Nicht jeder Patient mit solchen Symptomen leidet tatsächlich unter einer Gastroparese.

Welche Ursachen kann eine Gastroparese haben?

Eine verzögerte Magenentleerung kann unterschiedliche Ursachen haben. Zu den wichtigsten Formen gehören:

Diabetische Gastroparese

Ein langjähriger Diabetes mellitus kann die Nerven und Regulationsmechanismen beeinträchtigen, die für eine normale Magenbeweglichkeit verantwortlich sind.

Ausgeprägte Blutzuckerschwankungen können die Magenentleerung zusätzlich beeinflussen.

Idiopathische Gastroparese

Bei einem Teil der Patienten lässt sich trotz sorgfältiger gastroenterologischer Abklärung keine eindeutige Ursache feststellen.

Postoperative Gastroparese

Nach bestimmten Operationen am Magen, an der Speiseröhre oder im Oberbauch kann die Steuerung der Magenbeweglichkeit beeinträchtigt sein.

Insbesondere eine Schädigung des Nervus vagus kann dabei eine Rolle spielen.

Medikamentös bedingte Magenentleerungsstörung

Verschiedene Medikamente können die Magenentleerung verlangsamen, beispielsweise:

  • Opioidhaltige Schmerzmittel.
  • GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Liraglutid.
  • Dual wirkende Inkretinmedikamente wie Tirzepatid.
  • Bestimmte weitere Medikamente mit Einfluss auf die Magenmotilität.

Vor der Diagnose einer chronischen Gastroparese und insbesondere vor einer invasiven Behandlung ist eine sorgfältige Überprüfung der Medikation erforderlich.

Gastroparese oder funktionelle Dyspepsie – was ist der Unterschied?

Völlegefühl, frühe Sättigung, Übelkeit und Oberbauchbeschwerden bedeuten nicht automatisch, dass eine Gastroparese vorliegt.

Ähnliche Beschwerden können auch durch eine funktionelle Dyspepsie (Reizmagen) verursacht werden.

Bei dieser Erkrankung können eine gestörte Anpassung des Magens an eine Mahlzeit, eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Dehnung oder Veränderungen der Magenbeweglichkeit eine Rolle spielen.

Die Beschwerden überschneiden sich häufig mit denen einer Gastroparese. Auch die gemessene Magenentleerung kann bei einzelnen Patienten mit funktioneller Dyspepsie verzögert sein.

Für die Entscheidung über eine G-POEM ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Die Behandlung des Pylorus ist vor allem dann sinnvoll zu erwägen, wenn eine objektiv nachgewiesene Magenentleerungsstörung wesentlich zu den Beschwerden beiträgt.

Bei überwiegend bestehenden Oberbauchschmerzen ohne eindeutige relevante Magenentleerungsstörung ist der mögliche Nutzen einer G-POEM besonders kritisch zu beurteilen.

Wie wird eine Gastroparese diagnostiziert?

Vor einer G-POEM muss die Diagnose einer Gastroparese zuverlässig gesichert werden.

Die Abklärung umfasst die Krankengeschichte, eine Beurteilung der Beschwerden, die Überprüfung möglicher Ursachen sowie den objektiven Nachweis der verzögerten Magenentleerung.

Gastroskopie – Ausschluss einer mechanischen Verengung

Bei der Magenspiegelung (Gastroskopie) können strukturelle Veränderungen des Magens, des Magenausgangs und des Zwölffingerdarms untersucht werden.

Insbesondere müssen mechanische Hindernisse wie Engstellen oder andere Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Gelegentlich finden sich bei der Gastroskopie trotz ausreichender Nahrungskarenz noch Speisereste im Magen. Dieser Befund kann auf eine verzögerte Entleerung hinweisen, beweist jedoch allein keine Gastroparese.

Magenentleerungsmessung – objektive Bestätigung

Die objektive Messung der Magenentleerung ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik.

Als Referenzverfahren wird üblicherweise eine standardisierte Magenentleerungsszintigraphie über vier Stunden eingesetzt.

Dabei wird gemessen, wie schnell eine standardisierte Mahlzeit den Magen verlässt und welcher Anteil nach definierten Zeitintervallen noch vorhanden ist.

Je nach Situation können auch andere validierte Untersuchungsverfahren eingesetzt werden.

Die Diagnose sollte nicht allein anhand der Beschwerden oder des endoskopischen Befundes gestellt werden.

Gastroparesis Cardinal Symptom Index (GCSI)

Zur standardisierten Erfassung der Beschwerden kann der Gastroparesis Cardinal Symptom Index (GCSI) verwendet werden.

Dieser validierte Fragebogen erfasst die Schwere typischer gastropareseassoziierter Symptome, insbesondere:

  • Übelkeit und Erbrechen.
  • Frühe Sättigung.
  • Postprandiales Völlegefühl.
  • Blähungen und sichtbare Zunahme des Bauchumfangs.
  • Weitere Beschwerden im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme.

Der GCSI ermöglicht eine strukturierte Beurteilung der Symptomlast und kann zur Verlaufskontrolle nach einer Behandlung eingesetzt werden.

Eine Veränderung des GCSI kann Hinweise auf den Behandlungserfolg geben. Der Fragebogen ersetzt jedoch nicht die objektive Messung der Magenentleerung.

EndoFLIP – funktionelle Untersuchung des Pylorus

Bei ausgewählten Patienten kann die Funktion des Magenausgangs zusätzlich mit einer Functional Luminal Imaging Probe (EndoFLIP) untersucht werden.

Mit dieser speziellen Messsonde lassen sich unter anderem der Durchmesser und die Dehnbarkeit (Distensibilität) des Pylorus beurteilen.

Eine verminderte pylorische Distensibilität kann auf eine funktionelle Störung des Magenausgangs hinweisen.

Solche Messungen könnten helfen, geeignete Patienten für eine pylorusgerichtete Behandlung besser zu identifizieren. Die optimalen Grenzwerte und die Aussagekraft für den individuellen G-POEM-Erfolg sind jedoch noch nicht abschliessend geklärt.

Was ist G-POEM und wie funktioniert die endoskopische Pyloromyotomie?

G-POEM steht für Gastric Peroral Endoscopic Myotomy und wird auch als gastrische perorale endoskopische Pyloromyotomie bezeichnet.

Das Verfahren basiert auf der sogenannten Third-Space-Endoscopy-Technik, bei der ein endoskopischer Tunnel zwischen Schleimhaut und Muskelschicht geschaffen wird.

Diese Technik wird auch bei der POEM-Behandlung der Achalasie der Speiseröhre eingesetzt.

Welche Rolle spielt der Pylorus?

Der Pylorus bildet den Übergang zwischen Magen und Zwölffingerdarm.

Während der normalen Verdauung reguliert er gemeinsam mit der übrigen Magenmuskulatur die portionsweise Weiterleitung der Nahrung in den Dünndarm.

Bei einem Teil der Patienten mit Gastroparese ist die Öffnungsfähigkeit des Pylorus beeinträchtigt oder der funktionelle Widerstand erhöht.

Genau an diesem Mechanismus setzt die G-POEM an.

Durch die gezielte Durchtrennung der Pylorusmuskulatur soll sich der Magenausgang leichter öffnen und die Passage des Mageninhalts verbessern.

Wie läuft eine G-POEM-Behandlung ab?

Die G-POEM erfolgt endoskopisch über den Mund unter Allgemeinanästhesie. Äussere Operationsschnitte sind nicht notwendig.

1. Endoskopischer Zugang

Ein flexibles Endoskop wird über den Mund und die Speiseröhre bis in den Magen vorgeschoben.

Einige Zentimeter vor dem Magenausgang wird eine kleine Öffnung in der Magenschleimhaut geschaffen.

2. Bildung eines submukosalen Tunnels

Zwischen der Schleimhaut und der darunterliegenden Muskelschicht wird ein Tunnel in Richtung Pylorus angelegt.

Das Endoskop wird innerhalb dieses Tunnels bis zum Magenausgang vorgeschoben.

3. Endoskopische Pyloromyotomie

Anschliessend wird die Pylorusmuskulatur gezielt und kontrolliert durchtrennt.

Dadurch soll der funktionelle Widerstand am Magenausgang reduziert werden.

4. Verschluss der Schleimhautöffnung

Nach Abschluss der Myotomie wird die Eintrittsstelle in der Magenschleimhaut in der Regel mit endoskopischen Clips verschlossen.

Die Behandlung erfolgt somit vollständig über einen endoskopischen Zugang.

5. Medizinische Überwachung und Kostaufbau

Nach dem Eingriff erfolgt eine klinische Überwachung, häufig im Rahmen eines kurzstationären Aufenthalts.

Die Nahrungsaufnahme wird nach ärztlicher Freigabe schrittweise wieder aufgebaut. Zunächst werden meist Flüssigkeiten und anschliessend leicht verdauliche beziehungsweise weiche Nahrungsmittel empfohlen.

Die weitere Nachbetreuung orientiert sich an den Beschwerden, der Nahrungsaufnahme und dem individuellen Behandlungserfolg.

Für wen kommt eine G-POEM infrage?

G-POEM ist nicht für alle Patienten mit Übelkeit oder verzögerter Magenentleerung geeignet.

Die Behandlung wird insbesondere bei ausgewählten Patienten mit gesicherter, therapierefraktärer Gastroparese erwogen.

Wichtige Voraussetzungen sind:

  • Ausgeprägte und klinisch relevante Beschwerden.
  • Objektiv nachgewiesene verzögerte Magenentleerung.
  • Ausschluss einer mechanischen Abflussbehinderung.
  • Unzureichendes Ansprechen auf eine angemessene Ernährungstherapie.
  • Unzureichendes Ansprechen auf geeignete Medikamente.
  • Überprüfung möglicher medikamentöser und metabolischer Ursachen.
  • Individuelle Abwägung von Nutzen, Risiken und alternativen Therapien.

Die aktuelle Leitlinie der American Gastroenterological Association (AGA) von 2025 empfiehlt G-POEM nicht als routinemässige Behandlung aller Patienten mit therapierefraktärer Gastroparese.

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten kann das Verfahren jedoch nach Ausschöpfen geeigneter konservativer Behandlungsmöglichkeiten eine Therapieoption darstellen.[1]

Welche Patienten profitieren besonders von G-POEM?

Die Wahrscheinlichkeit eines Behandlungserfolges hängt nicht allein von der gemessenen Magenentleerungszeit ab.

Besonders relevant sind die Art und Schwere der Beschwerden, die zugrunde liegende Erkrankung sowie mögliche funktionelle Veränderungen des Pylorus.

Bei Patienten mit ausgeprägter Übelkeit, wiederholtem Erbrechen, frühem Sättigungsgefühl und deutlich verzögerter Magenentleerung kann eine pylorusgerichtete Behandlung erwogen werden.

Bei überwiegend bestehenden Bauchschmerzen oder einer unklaren Symptomursache muss besonders sorgfältig geprüft werden, ob eine G-POEM tatsächlich eine relevante Verbesserung erwarten lässt.

Ein zuverlässiges, allgemein etabliertes Vorhersagemodell für den individuellen Behandlungserfolg existiert bislang nicht.

Wie erfolgreich ist G-POEM bei Gastroparese?

Mehrere klinische Studien zeigen, dass sich bei einem Teil der Patienten mit therapieresistenter Gastroparese die Beschwerden und die objektiv gemessene Magenentleerung nach G-POEM verbessern können.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit 952 Patienten berichtete nach einem Jahr über eine zusammengefasste klinische Erfolgsrate von ungefähr 72 %.[2]

Auch eine randomisierte, scheinkontrollierte Studie zeigte einen therapeutischen Vorteil der G-POEM gegenüber einer Scheinbehandlung.[3]

Die Ergebnisse müssen jedoch differenziert interpretiert werden. Viele Untersuchungen basieren auf Beobachtungsdaten, verwenden unterschiedliche Kriterien für einen Behandlungserfolg und schliessen unterschiedlich ausgewählte Patientengruppen ein.

G-POEM kann die Beschwerden und die Magenentleerung verbessern. Nicht alle Patienten sprechen jedoch auf die Behandlung an, und eine dauerhafte Heilung der Gastroparese kann nicht garantiert werden.

Welche Vorteile bietet G-POEM?

Die endoskopische Pyloromyotomie ermöglicht eine gezielte Behandlung des Magenausgangs ohne chirurgischen Zugang durch die Bauchdecke.

Mögliche Vorteile sind:

  • Keine äusseren Operationsschnitte: Der Eingriff erfolgt vollständig endoskopisch über den Mund.
  • Gezielte Myotomie: Behandlung des funktionellen Widerstands am Pylorus.
  • Erhalt der Magenanatomie: Es wird kein Teil des Magens entfernt.
  • Kurze Erholungsphase: Häufig raschere Erholung im Vergleich zu grösseren chirurgischen Eingriffen.
  • Verbesserung der Magenentleerung: Bei geeigneten Patienten kann sich der Nahrungstransport in den Dünndarm verbessern.
  • Verbesserung der Lebensqualität: Durch eine mögliche Reduktion von Übelkeit, Erbrechen und postprandialen Beschwerden.

Welcher Nutzen im individuellen Fall erreichbar ist, hängt wesentlich von der richtigen Indikationsstellung ab.

G-POEM oder Botox-Injektion in den Pylorus?

Eine weitere endoskopische Behandlungsmöglichkeit besteht in der Injektion von Botulinumtoxin in die Muskulatur des Magenausgangs.

Botulinumtoxin führt zu einer vorübergehenden Entspannung der Pylorusmuskulatur.

Randomisierte Studien konnten bei einer unselektierten Behandlung der Gastroparese jedoch keinen ausreichend gesicherten Vorteil gegenüber einer Placebobehandlung zeigen.

Eine routinemässige Botulinumtoxin-Injektion zur Behandlung der Gastroparese wird deshalb von aktuellen Leitlinien nicht empfohlen.

G-POEM unterscheidet sich grundlegend: Die Muskulatur wird nicht vorübergehend entspannt, sondern gezielt und dauerhaft durchtrennt.

G-POEM oder chirurgische Pyloroplastik?

Die chirurgische Pyloroplastik beziehungsweise Pyloromyotomie stellt eine weitere Möglichkeit zur Behandlung einer gestörten Pylorusfunktion dar.

Während die chirurgische Behandlung einen operativen Zugang über die Bauchdecke erfordert, erfolgt die G-POEM vollständig endoskopisch.

Welches Verfahren besser geeignet ist, hängt unter anderem ab von:

  • Der Ursache der Gastroparese.
  • Voroperationen und anatomischen Verhältnissen.
  • Bestehenden Begleiterkrankungen.
  • Der Schwere der Magenentleerungsstörung.
  • Bisherigen Behandlungsversuchen.
  • Der Erfahrung des behandelnden Zentrums.

Die bisherige wissenschaftliche Datenlage erlaubt keine generelle Aussage, dass eines dieser Verfahren bei allen Patienten überlegen ist.

Was ist bei diabetischer Gastroparese besonders wichtig?

Eine diabetische Gastroparese stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar.

Erhöhte Blutzuckerwerte können die Magenentleerung verlangsamen. Gleichzeitig kann eine unregelmässige Magenentleerung die zeitliche Abstimmung zwischen Mahlzeiten, Aufnahme der Kohlenhydrate und Insulinwirkung erschweren.

Dadurch können erhebliche Blutzuckerschwankungen entstehen.

Vor einer interventionellen Behandlung sollte deshalb eine möglichst stabile diabetologische Einstellung angestrebt werden.

Bei ausgewählten Patienten mit diabetischer Gastroparese kann G-POEM eine Behandlungsmöglichkeit darstellen, wenn trotz optimierter konservativer Therapie weiterhin relevante Beschwerden und eine objektiv nachgewiesene verzögerte Magenentleerung bestehen.

Gastroparese und GLP-1-Medikamente

Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten sowie verwandte Inkretintherapien werden unter anderem zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt.

Zu diesen Medikamenten gehören beispielsweise Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid.

Ein Teil ihrer Wirkung beruht auf einer Verzögerung der Magenentleerung und einer Beeinflussung des Sättigungsgefühls.

Bei manchen Patienten können dadurch Beschwerden wie Übelkeit, frühe Sättigung, Völlegefühl oder Erbrechen auftreten.

Eine unter dem Einfluss solcher Medikamente festgestellte verzögerte Magenentleerung bedeutet nicht automatisch, dass eine dauerhafte Gastroparese vorliegt.

Vor einer irreversiblen pylorusgerichteten Behandlung wie G-POEM muss deshalb geklärt werden, ob Medikamente wesentlich zur Magenentleerungsstörung beitragen.

Ein allfälliges Pausieren oder Anpassen der Medikation muss individuell unter Berücksichtigung der zugrunde liegenden Erkrankung erfolgen.

Welche Risiken und Komplikationen hat G-POEM?

G-POEM ist ein minimalinvasiver, jedoch technisch anspruchsvoller endoskopischer Eingriff unter Allgemeinanästhesie.

Mögliche Komplikationen sind:

  • Blutungen während oder nach dem Eingriff.
  • Verletzungen der Schleimhaut.
  • Perforationen der Magen- oder Zwölffingerdarmwand.
  • Austritt von Luft oder CO₂ in umliegende Gewebsräume.
  • Entzündungen und Infektionen.
  • Bauchschmerzen nach dem Eingriff.
  • Komplikationen im Zusammenhang mit der Anästhesie.
  • Selten die Notwendigkeit weiterer endoskopischer oder chirurgischer Massnahmen.

Auch bei technisch erfolgreicher Behandlung können Beschwerden fortbestehen oder erneut auftreten.

Da die Pylorusmuskulatur dauerhaft durchtrennt wird, ist G-POEM nicht als vollständig reversibles Verfahren anzusehen.

Die Untersuchung und Behandlung sollte durch entsprechend erfahrene interventionelle Endoskopiker erfolgen.

Was geschieht nach einer G-POEM?

Nach dem Eingriff erfolgt zunächst eine medizinische Überwachung.

Die Ernährung wird anschliessend stufenweise wieder aufgebaut. Abhängig vom individuellen Verlauf werden zunächst Flüssigkeiten und später weiche beziehungsweise leicht verdauliche Nahrungsmittel eingesetzt.

Im weiteren Verlauf wird beurteilt:

  • Haben sich Übelkeit und Erbrechen verbessert?
  • Ist eine ausreichende Nahrungsaufnahme wieder möglich?
  • Hat sich das frühe Sättigungsgefühl reduziert?
  • Ist das postprandiale Völlegefühl geringer geworden?
  • Hat sich das Körpergewicht stabilisiert?
  • Ist weiterhin eine medikamentöse Behandlung erforderlich?

Zur strukturierten Verlaufskontrolle kann erneut der Gastroparesis Cardinal Symptom Index (GCSI) eingesetzt werden.

Bei bestimmten Fragestellungen kann auch eine erneute objektive Magenentleerungsmessung sinnvoll sein.

G-POEM und POEM bei Achalasie – was ist der Unterschied?

G-POEM und POEM sind verwandte endoskopische Verfahren, die auf einer ähnlichen Tunneltechnik beruhen, aber unterschiedliche Erkrankungen behandeln.

  • POEM (Peroral Endoscopic Myotomy): Behandlung bestimmter Bewegungsstörungen der Speiseröhre, insbesondere der Achalasie. Hierbei wird die Muskulatur im Bereich des unteren Speiseröhrenschliessmuskels durchtrennt.
  • G-POEM (Gastric Peroral Endoscopic Myotomy): Behandlung ausgewählter Formen der Gastroparese durch gezielte Durchtrennung der Pylorusmuskulatur am Magenausgang.

Beide Verfahren gehören zu den modernen Möglichkeiten der therapeutischen Endoskopie.

Häufige Fragen zur G-POEM-Behandlung (FAQ)

Ist G-POEM eine Operation?

G-POEM ist ein interventionell-endoskopischer Eingriff. Die Behandlung erfolgt mit einem flexiblen Endoskop durch den Mund unter Allgemeinanästhesie. Ein äusserer Bauchschnitt ist nicht erforderlich.

Wird bei G-POEM ein Teil des Magens entfernt?

Nein. Bei G-POEM wird kein Teil des Magens entfernt. Behandelt wird gezielt die Muskulatur des Magenausgangs.

Wie lange dauert eine G-POEM?

Die Eingriffsdauer hängt von den anatomischen Verhältnissen und dem technischen Verlauf ab. Häufig dauert die Behandlung ungefähr 45 bis 90 Minuten, kann jedoch mehr Zeit beanspruchen.

Wie lange dauert der Spitalaufenthalt nach G-POEM?

In der Regel erfolgt eine kurzstationäre Überwachung. Die genaue Aufenthaltsdauer hängt vom Eingriffsverlauf, dem Gesundheitszustand und dem Nachbehandlungskonzept ab.

Kann G-POEM eine Gastroparese heilen?

G-POEM behandelt insbesondere den funktionellen Widerstand am Pylorus. Die Ursachen der Gastroparese können jedoch komplex sein und auch Veränderungen der Magenmuskulatur oder der Nervensteuerung umfassen. Deshalb ist eine vollständige oder dauerhafte Heilung nicht garantiert.

Wer profitiert am ehesten von G-POEM?

Am ehesten kommt G-POEM bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit gesicherter, klinisch relevanter und therapierefraktärer Gastroparese infrage. Die Patientenauswahl berücksichtigt sowohl die Beschwerden als auch die objektiv dokumentierte Magenentleerungsstörung.

Reicht eine Magenspiegelung zur Diagnose einer Gastroparese?

Nein. Die Gastroskopie dient insbesondere dazu, mechanische Ursachen auszuschliessen. Eine Gastroparese muss normalerweise zusätzlich durch eine validierte Untersuchung der Magenentleerung bestätigt werden.

Muss vor einer G-POEM eine Magenentleerungsmessung erfolgen?

Ja, eine objektive Bestätigung der verzögerten Magenentleerung ist ein zentraler Bestandteil der Indikationsstellung. Als Referenzverfahren wird meist die standardisierte vierstündige Magenentleerungsszintigraphie verwendet.

Ist G-POEM bei diabetischer Gastroparese möglich?

Ja. G-POEM kann bei ausgewählten Patienten mit diabetischer Gastroparese infrage kommen. Voraussetzung sind eine sorgfältige Ursachenklärung, eine möglichst gute diabetologische Einstellung und eine objektiv nachgewiesene relevante Magenentleerungsstörung.

Kann eine Behandlung mit Semaglutid eine Gastroparese verursachen?

Semaglutid und andere GLP-1-basierte Medikamente können die Magenentleerung verlangsamen. Dadurch können gastropareseähnliche Beschwerden auftreten. Ob eine vorübergehende medikamentöse Wirkung oder eine eigenständige chronische Gastroparese vorliegt, muss individuell abgeklärt werden.

Wird G-POEM von der Krankenkasse übernommen?

Die Kostenübernahme hängt von der medizinischen Indikation und den geltenden schweizerischen Vergütungsregelungen ab. Vor der Behandlung sollte individuell geprüft werden, ob eine Kostengutsprache erforderlich ist.

Gastroparese-Abklärung bei Vivomed – Gastroenterologie Bern

Bei anhaltender Übelkeit, frühem Sättigungsgefühl, postprandialem Völlegefühl oder wiederholtem Erbrechen ist eine differenzierte gastroenterologische Abklärung entscheidend.

Bei Vivomed – Gastroenterologie Bern können mögliche strukturelle und funktionelle Ursachen der Beschwerden beurteilt werden.

Dabei geht es insbesondere darum:

  • Eine mechanische Ursache auszuschliessen.
  • Eine tatsächliche Gastroparese von anderen funktionellen Erkrankungen zu unterscheiden.
  • Mögliche medikamentöse Ursachen zu erkennen.
  • Den bisherigen Therapieverlauf zu beurteilen.
  • Zu klären, ob eine weiterführende Funktionsdiagnostik erforderlich ist.
  • Zu beurteilen, ob eine pylorusgerichtete Behandlung wie G-POEM im individuellen Fall infrage kommen könnte.

Gerade vor einem irreversiblen interventionellen Eingriff ist die präzise Diagnose und sorgfältige Patientenauswahl entscheidend.

Unser Ziel ist eine individuell abgestimmte, medizinisch fundierte Behandlung, welche die Beschwerden reduziert, die Nahrungsaufnahme verbessert und die Lebensqualität erhöht.

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Telefon: 031 333 32 36
E-Mail: vivomed@hin.ch

Wissenschaftliche Quellen und Leitlinien

  1. Staller K, Parkman HP, Leiman DA, et al. AGA Clinical Practice Guideline on Management of Gastroparesis. Gastroenterology. 2025. DOI: 10.1053/j.gastro.2025.08.004.
  2. Long-term efficacy (at and beyond 1 year) of gastric peroral endoscopic myotomy for refractory gastroparesis: A systematic review and meta-analysis. 2024. Wissenschaftliche Publikation.
  3. Martinek J, Hustak R, Mares J, et al. Endoscopic pyloromyotomy for the treatment of severe and refractory gastroparesis: a pilot, randomised, sham-controlled trial. Gut. 2022;71:2170–2178. DOI: 10.1136/gutjnl-2022-326904.
  4. Khashab MA, Wang AY, Cai Q. AGA Clinical Practice Update on Gastric Peroral Endoscopic Myotomy for Gastroparesis: Expert Review. 2023. AGA Clinical Practice Update.

 

Über den Autor: Dr. med. Stefan Schlosser ist Facharzt für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin bei Vivomed - Gastroenterologie Bern. Er hält einen Masterabschluss in Gesundheitsökonomie. Mit über 20 Jahren Berufserfahrung verfügt er über einen breiten klinischen und wissenschaftlichen Erfahrungsschatz. Er ist spezialisiert auf interventionelle minimalinvasive Endoskopie, Funktionsdiagnostik und Endobariatrie (SCOPE certified). Dr. Schlosser engagiert sich als Kursleiter der SGUM in der Ultraschallausbildung junger Ärzt:innen und ist Mitglied der Schweizer, Europäischen und Amerikanischen Gesellschaft für Gastroenterologie (SGG, ESGE, ASGE). Er arbeitet in einer SIWF-anerkannten Weiterbildungsstätte in Bern.