Warum individuelle Lösungen wichtiger sind als starre Diäten

Von Dr. med. Stefan Schlosser, Facharzt FMH für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin, Vivomed – Gastroenterologie Bern

Was darf ich bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa noch essen? Diese Frage stellen viele Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die gute Nachricht: Eine spezielle Verbotsliste für alle Betroffenen gibt es nicht. Entscheidend sind die Krankheitsaktivität, die individuelle Verträglichkeit und eine ausreichende Nährstoffversorgung.

Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen weit mehr ist als eine unterstützende Massnahme. Bestimmte Ernährungstherapien können insbesondere bei Morbus Crohn dazu beitragen, Entzündungen zu kontrollieren und eine Remission zu erreichen. Gleichzeitig können individuell angepasste Ernährungsstrategien Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern.

Die aktuellen Empfehlungen der European Crohn's and Colitis Organisation (ECCO) unterstreichen deshalb die Bedeutung einer personalisierten Ernährungstherapie bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.[1]

Warum gibt es keine einheitliche CED-Diät?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronische Erkrankungen, bei denen eine fehlregulierte Immunantwort Entzündungen im Verdauungstrakt verursacht. Genetische Faktoren, Umweltbedingungen, die Darmbarriere und das Darmmikrobiom spielen dabei eine wichtige Rolle.

Während Morbus Crohn grundsätzlich den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, ist die Colitis ulcerosa auf den Dickdarm beschränkt. Auch der Verlauf unterscheidet sich: Manche Patienten haben lange beschwerdefreie Phasen, während andere unter wiederkehrenden Entzündungsschüben, Durchfällen, Bauchschmerzen oder Gewichtsverlust leiden.

Eine Ernährung, die bei einem Patienten mit Morbus Crohn gut funktioniert, muss deshalb für eine andere Person mit Colitis ulcerosa nicht gleichermassen geeignet sein.

Die richtige Ernährung richtet sich nicht nur nach der Diagnose, sondern auch nach der Krankheitsphase, dem Ernährungszustand, möglichen Komplikationen und den persönlichen Bedürfnissen.

Welchen Einfluss hat Ernährung auf Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Die Ernährung kann verschiedene Prozesse beeinflussen, die bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine Rolle spielen:

  • Darmmikrobiom: Die Zusammensetzung und Stoffwechselaktivität der Darmbakterien wird durch unsere Ernährung beeinflusst.
  • Darmbarriere: Nahrungsbestandteile und bakterielle Stoffwechselprodukte können die Schutzfunktion der Darmschleimhaut beeinflussen.
  • Immunsystem: Ernährung und Darmmikrobiom stehen in Wechselwirkung mit entzündlichen und immunologischen Prozessen.
  • Nährstoffversorgung: Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Regeneration, den Erhalt der Muskelmasse und die allgemeine Gesundheit.
  • Verdauungsbeschwerden: Bestimmte Nahrungsmittel können Blähungen, Durchfälle oder Bauchschmerzen verstärken, ohne selbst eine Entzündung auszulösen.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer tatsächlich aktiven Darmentzündung und funktionellen Beschwerden oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Nicht jeder Durchfall und nicht jeder Bauchschmerz bedeutet automatisch einen neuen Krankheitsschub. Umgekehrt kann eine Darmentzündung bestehen, obwohl nur geringe Beschwerden auftreten.

Welche Ernährungsformen helfen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Für die Ernährungstherapie bei CED stehen verschiedene wissenschaftlich untersuchte Konzepte zur Verfügung. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihres therapeutischen Ziels, ihrer Wirksamkeit und ihrer Alltagstauglichkeit.

1. Exklusive enterale Ernährung (EEN) bei Morbus Crohn

Die exklusive enterale Ernährung (Exclusive Enteral Nutrition, EEN) ist eine etablierte Ernährungstherapie, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit aktivem Morbus Crohn.

Dabei wird über einen Zeitraum von meist sechs bis acht Wochen vollständig auf normale Lebensmittel verzichtet. Die gesamte Energie- und Nährstoffversorgung erfolgt durch eine medizinisch definierte Trink- oder Sondennahrung.

Was bedeutet EEN konkret?

  • Normale Mahlzeiten: Werden vorübergehend vollständig pausiert.
  • Ernährung: Ausschliesslich medizinische Trink- oder Sondennahrung.
  • Dauer: In der Regel sechs bis acht Wochen.
  • Ziel: Entzündung reduzieren und eine Remission erreichen.
  • Hauptanwendung: Aktiver Morbus Crohn, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Studien zeigen, dass EEN bei Kindern mit aktivem Morbus Crohn eine wirksame Möglichkeit zur Remissionsinduktion darstellt. Bei Erwachsenen kann sie in ausgewählten Fällen ebenfalls eingesetzt werden; die Wirksamkeit hängt jedoch unter anderem von der konsequenten Durchführung und der individuellen Verträglichkeit ab.

Bei Colitis ulcerosa ist die EEN dagegen nicht als etablierte alleinige Therapie zur Remissionsinduktion empfohlen.

Wichtig: Eine exklusive enterale Ernährung sollte ausschliesslich unter gastroenterologischer und ernährungstherapeutischer Begleitung durchgeführt werden.

2. Partielle enterale Ernährung (PEN) – die alltagstauglichere Alternative

Bei der partiellen enteralen Ernährung (Partial Enteral Nutrition, PEN) wird nur ein Teil des täglichen Kalorienbedarfs durch medizinische Trinknahrung gedeckt. Ergänzend können normale Lebensmittel verzehrt werden.

Je nach Behandlungskonzept stammt beispielsweise etwa 25–50 % der täglichen Energie aus der Trinknahrung. Der Anteil kann individuell variieren.

Was bedeutet PEN konkret?

  • Normale Mahlzeiten: Weiterhin möglich.
  • Trinknahrung: Deckt einen definierten Anteil des Energiebedarfs.
  • Ziel: Unterstützung der Nährstoffversorgung und gegebenenfalls Stabilisierung einer Remission.
  • Alltagstauglichkeit: Meist besser als bei ausschliesslicher Trinknahrung.
  • Kombination: Häufig Bestandteil strukturierter Ernährungskonzepte wie der CDED.

Ein möglicher Tagesablauf besteht aus einer medizinischen Trinknahrung zum Frühstück, einer ausgewählten normalen Mahlzeit am Mittag und einer weiteren Kombination aus Trinknahrung und Lebensmitteln am Abend.

Die PEN kann insbesondere bei Morbus Crohn als unterstützende Massnahme oder zur Remissionserhaltung eingesetzt werden. Als alleinige Behandlung zur Induktion einer Remission ist sie weniger zuverlässig als EEN und sollte nicht mit dieser gleichgesetzt werden.

3. Crohn's Disease Exclusion Diet (CDED) – gezielte Ernährung bei Morbus Crohn

Die Crohn's Disease Exclusion Diet (CDED) ist ein strukturiertes Ernährungskonzept, das speziell für Menschen mit Morbus Crohn entwickelt wurde.

Im Mittelpunkt steht nicht der vollständige Verzicht auf normale Lebensmittel, sondern die gezielte Auswahl bestimmter Nahrungsmittel und die vorübergehende Einschränkung anderer Bestandteile.

Die CDED wird häufig mit einer partiellen enteralen Ernährung kombiniert. Ziel ist es, potenziell ungünstige Einflüsse auf das Darmmikrobiom, die Darmbarriere und entzündliche Prozesse zu reduzieren.

Welche Lebensmittel stehen bei CDED im Mittelpunkt?

In definierten Phasen bevorzugte Lebensmittel können sein:

  • Reis und Kartoffeln
  • Frisch zubereitetes Geflügel
  • Eier
  • Bestimmte Obst- und Gemüsesorten
  • Ausgewählte pflanzliche Fette
  • Medizinische Trinknahrung zur Ergänzung der Nährstoffversorgung

Je nach Therapiephase eingeschränkt werden unter anderem:

  • Stark verarbeitete Fertigprodukte
  • Bestimmte Zusatzstoffe und Emulgatoren
  • Verarbeitete Fleischprodukte
  • Bestimmte Milch- und Getreideprodukte
  • Süssgetränke und stark zuckerhaltige Produkte

Die konkrete Lebensmittelauswahl ist Teil eines festgelegten mehrphasigen Ernährungsprotokolls. Die genannten Beispiele stellen deshalb keine vollständige Anleitung zur selbstständigen Durchführung dar.

Wie wirksam ist die CDED?

Randomisierte klinische Studien zeigen, dass die Kombination aus CDED und partieller enteraler Ernährung bei ausgewählten Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Morbus Crohn eine Remission herbeiführen und aufrechterhalten kann.

In einer randomisierten Studie mit Kindern und Jugendlichen zeigte die CDED in Kombination mit PEN eine bessere Verträglichkeit und eine günstigere anhaltende Remissionsrate als der Vergleichsansatz mit exklusiver enteraler Ernährung.[2]

Auch bei Erwachsenen liegen zunehmend positive Daten vor. Die Ergebnisse sind jedoch nicht ohne Weiteres auf alle Schweregrade und Krankheitsverläufe übertragbar.

Eine CDED ist keine allgemeine Empfehlung, dauerhaft alle möglicherweise problematischen Lebensmittel wegzulassen. Sie sollte zeitlich strukturiert, individuell ausgewählt und professionell begleitet werden.

4. Mediterrane Ernährung – eine langfristige Orientierung bei CED

Für viele Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eignet sich eine mediterran orientierte Ernährung als langfristige Grundlage.

Sie ist weniger als strenge Diät zu verstehen, sondern vielmehr als ausgewogene Ernährungsweise mit einem hohen Anteil möglichst wenig verarbeiteter Lebensmittel.

Typische Bestandteile einer mediterranen Ernährung

  • Gemüse und Obst: Beispielsweise gegartes Gemüse, Salate, Beeren und saisonale Früchte.
  • Hochwertige pflanzliche Fette: Insbesondere Olivenöl.
  • Fisch: Regelmässig anstelle grosser Mengen roten Fleisches.
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen oder Kichererbsen, soweit verträglich.
  • Nüsse und Samen: In individuell angepasster Menge und Konsistenz.
  • Vollkornprodukte: Wenn sie gut vertragen werden und keine relevanten Engstellen im Darm bestehen.
  • Wenig stark verarbeitete Lebensmittel: Frisch zubereitete Mahlzeiten statt regelmässigem Konsum hochverarbeiteter Fertigprodukte.

Die mediterrane Ernährung wird in den aktuellen ECCO-Empfehlungen als geeignete Orientierung für eine gesunde Ernährung und die Remissionserhaltung berücksichtigt.[1]

Allerdings ist noch nicht abschliessend geklärt, in welchem Ausmass diese Ernährungsweise unabhängig von anderen Behandlungen die Entzündungsaktivität langfristig beeinflusst.

Gerade bei empfindlicher Verdauung, ausgeprägten Durchfällen oder Darmstenosen müssen einzelne Lebensmittel und insbesondere ihre Konsistenz angepasst werden.

FODMAP-arme Ernährung bei CED – sinnvoll bei Blähungen und Bauchschmerzen?

Viele Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden auch in einer entzündungsfreien Krankheitsphase unter Blähungen, Bauchschmerzen, Völlegefühl oder veränderten Stuhlgewohnheiten.

In solchen Fällen können zusätzlich funktionelle Verdauungsbeschwerden oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorliegen.

Eine zeitlich begrenzte FODMAP-arme Ernährung kann helfen, bestimmte beschwerdeauslösende Kohlenhydrate zu identifizieren.

FODMAP steht für fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. Diese Stoffe werden im Dünndarm teilweise unvollständig aufgenommen und können im Dickdarm zu vermehrter Gasbildung und Flüssigkeitsansammlung führen.

Wann kann eine FODMAP-arme Ernährung helfen?

  • Bei wiederkehrenden Blähungen
  • Bei funktionellen Bauchschmerzen
  • Bei wechselnden Stuhlgewohnheiten
  • Bei Verdacht auf zusätzliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Bei Beschwerden trotz kontrollierter Darmentzündung

Entscheidend ist: Eine FODMAP-arme Ernährung kann Beschwerden lindern, behandelt aber nicht nachweislich die zugrunde liegende Darmentzündung bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Die Diät sollte deshalb nicht als dauerhafte Verbotsliste verstanden werden. Nach einer kurzen Reduktionsphase werden Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt, um individuelle Auslöser und verträgliche Mengen zu bestimmen.

Vor Beginn sollten entzündliche Krankheitsaktivität und andere relevante Ursachen der Beschwerden ärztlich beurteilt werden.

Was sollte man bei einem akuten Morbus-Crohn- oder Colitis-ulcerosa-Schub essen?

Während eines akuten Krankheitsschubs verändern sich häufig Appetit, Verdauung und Verträglichkeit verschiedener Lebensmittel.

Durchfälle, Bauchschmerzen und Entzündungen können zu Flüssigkeitsverlusten, Gewichtsabnahme und einer verminderten Nährstoffaufnahme führen.

Eine für alle Patienten gültige spezielle Schubdiät gibt es jedoch nicht.

Die Ernährung sollte sich nach der Schwere der Erkrankung, den Beschwerden und möglichen Komplikationen richten.

Praktische Ernährungsempfehlungen während eines Schubs

  • Mehrere kleinere Mahlzeiten können besser verträglich sein als wenige grosse Portionen.
  • Gut gegarte und leicht verdauliche Lebensmittel können vorübergehend Beschwerden reduzieren.
  • Bei ausgeprägten Durchfällen ist auf ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr zu achten.
  • Eine ausreichende Eiweiss- und Energieversorgung hilft, Gewichtsverlust und Muskelabbau zu vermeiden.
  • Sehr fettreiche, stark gewürzte oder individuell schlecht verträgliche Speisen können vorübergehend reduziert werden.
  • Bei Darmstenosen kann eine spezielle Anpassung der Nahrungsstruktur erforderlich sein.

Eine generelle ballaststoffarme Ernährung ist nicht für alle Patienten mit aktivem CED-Schub notwendig. Bei Engstellen, ausgeprägten Beschwerden oder bestimmten Komplikationen können jedoch gezielte Anpassungen sinnvoll sein.

Bei starken Schmerzen, Fieber, ausgeprägten Blutungen, Erbrechen oder Zeichen eines Darmverschlusses ist eine zeitnahe medizinische Beurteilung erforderlich.

Welche Nährstoffmängel treten bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf?

Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können trotz normalem Körpergewicht von einer Mangelernährung betroffen sein.

Ursachen sind beispielsweise eine verminderte Nahrungsaufnahme, chronische Entzündungen, Blutverluste, gestörte Nährstoffaufnahme oder vorausgegangene Darmoperationen.

Besonders relevant sind Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure, Calcium und Zink. Auch eine unzureichende Eiweisszufuhr kann zu Muskelabbau und körperlicher Schwäche beitragen.

Die gezielte Kontrolle des Ernährungszustands und eine bedarfsgerechte Ergänzung fehlender Nährstoffe gehören deshalb zur langfristigen Betreuung von Menschen mit CED.

Warum strenge Diäten bei CED auch schaden können

In meiner täglichen Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Patienten aus Angst vor Beschwerden zunehmend mehr Lebensmittel vermeiden.

Manchmal beginnt dies mit dem Verzicht auf Milchprodukte oder glutenhaltige Speisen. Später werden zusätzlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und weitere Lebensmittel gestrichen, bis nur noch wenige vermeintlich sichere Nahrungsmittel übrig bleiben.

Eine solche übermässige Einschränkung der Ernährung kann erhebliche Nachteile haben:

  • Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen
  • Unzureichende Energie- und Eiweissversorgung
  • Unbeabsichtigter Gewichtsverlust
  • Abnahme der Muskelmasse
  • Sozialer Rückzug und Vermeidung gemeinsamer Mahlzeiten
  • Angst vor dem Essen und zunehmende psychische Belastung
  • Entwicklung eines vermeidend-restriktiven Essverhaltens

Insbesondere bei Menschen mit einer chronischen Erkrankung darf Ernährung nicht zu einer zusätzlichen dauerhaften Belastung werden.

Worauf ich besonders achte

Als Gastroenterologe ist es mir besonders wichtig, dass die Ernährung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht zu einer zusätzlichen körperlichen oder psychischen Belastung wird.

Zu strenge oder einseitige Diäten können die Lebensmittelauswahl unnötig einschränken und das Risiko für eine Mangelernährung erhöhen. Besonders achte ich auf folgende Nährstoffe:

  • Eisen: Ein Mangel kann zu Blutarmut, Müdigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit führen.
  • Vitamin B12: Besonders relevant bei Morbus Crohn mit Beteiligung des terminalen Ileums oder nach Darmoperationen.
  • Vitamin D: Wichtig für die Knochengesundheit und bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen häufig vermindert.
  • Folsäure: Ein Mangel kann durch einseitige Ernährung, gestörte Nährstoffaufnahme oder bestimmte Medikamente begünstigt werden.

Deshalb achten wir bei Vivomed auf eine ausreichende Nährstoffversorgung, kontrollieren relevante Laborwerte entsprechend dem individuellen Risiko regelmässig und passen die Ernährung bei Bedarf gezielt an.

Mein Grundsatz: So wenig Verbote wie möglich, so viele Einschränkungen wie medizinisch notwendig. Eine gute Ernährungstherapie muss nicht nur wirksam, sondern auch langfristig alltagstauglich sein.

Wie sieht eine individuell abgestimmte Ernährungstherapie bei CED aus?

Eine moderne Ernährungstherapie berücksichtigt nicht nur die Diagnose Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, sondern den gesamten gesundheitlichen und persönlichen Hintergrund.

Bei Vivomed legen wir Wert auf eine differenzierte gastroenterologische Beurteilung. Dabei spielen insbesondere folgende Faktoren eine Rolle:

  • Krankheitsaktivität: Liegt eine aktive Entzündung oder eine Remission vor?
  • Entzündungsmarker: Was zeigen beispielsweise das fäkale Calprotectin und das C-reaktive Protein (CRP)?
  • Ernährungszustand: Bestehen Gewichtsverlust, Muskelabbau oder Nährstoffmängel?
  • Erkrankungslokalisation: Welche Darmabschnitte sind betroffen?
  • Komplikationen: Bestehen Darmstenosen, Fisteln oder Folgen früherer Operationen?
  • Individuelle Verträglichkeit: Welche Lebensmittel lösen tatsächlich reproduzierbare Beschwerden aus?
  • Lebenssituation: Welche Ernährung lässt sich langfristig im Beruf, in der Familie und im Alltag umsetzen?

Bei Bedarf erfolgt eine ergänzende spezialisierte Ernährungsberatung. Ziel ist es, gemeinsam einen realistischen und medizinisch sinnvollen Ernährungsplan zu entwickeln.

Häufige Fragen zur Ernährung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Darf man bei Morbus Crohn Milchprodukte essen?

Grundsätzlich ja, sofern sie gut vertragen werden. Eine generelle milchfreie Ernährung ist bei Morbus Crohn nicht notwendig. Besteht eine Laktoseintoleranz, können laktosefreie Milchprodukte sinnvoll sein.

Sollte man bei Colitis ulcerosa auf Gluten verzichten?

Eine glutenfreie Ernährung ist bei Colitis ulcerosa nicht grundsätzlich erforderlich. Sie ist insbesondere bei zusätzlich diagnostizierter Zöliakie notwendig. Ohne entsprechende medizinische Indikation bringt ein pauschaler Glutenverzicht keinen gesicherten Vorteil für die Entzündungskontrolle.

Sind Ballaststoffe bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen schädlich?

Nein. Ballaststoffe können wichtige positive Wirkungen auf das Darmmikrobiom haben. Die geeignete Menge und Art hängen jedoch von der Krankheitsaktivität, der Verträglichkeit und möglichen Engstellen im Darm ab. Bei Stenosen können bestimmte faserreiche Lebensmittel problematisch sein.

Welche Ernährung ist bei Colitis ulcerosa am besten?

Für die langfristige Ernährung wird häufig eine ausgewogene, mediterran orientierte Ernährungsweise empfohlen. Eine spezielle Diät, die bei allen Patienten mit Colitis ulcerosa zuverlässig eine aktive Entzündung in Remission bringt, ist derzeit nicht etabliert. Die Ernährung ergänzt deshalb die medizinische Therapie.

Kann man Morbus Crohn allein durch Ernährung behandeln?

Bei ausgewählten Patienten mit Morbus Crohn kann eine strukturierte Ernährungstherapie, insbesondere EEN oder CDED in Kombination mit PEN, zur Remissionsinduktion eingesetzt werden. Ob dies als primäre Therapie infrage kommt, hängt unter anderem vom Alter, der Krankheitsaktivität und möglichen Komplikationen ab. Eine eigenständige Beendigung der medikamentösen Therapie ist nicht empfehlenswert.

Helfen Probiotika bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Die Studienlage ist uneinheitlich. Für Morbus Crohn besteht derzeit keine ausreichende Evidenz, um Probiotika generell zur Behandlung oder Remissionserhaltung zu empfehlen. Bei Colitis ulcerosa gibt es für einzelne Präparate Hinweise auf mögliche Vorteile, jedoch keine allgemeingültige Empfehlung für alle Patienten.

Kann Ernährung einen Krankheitsschub verhindern?

Eine ausgewogene Ernährung kann die allgemeine Gesundheit unterstützen und möglicherweise zur langfristigen Stabilisierung beitragen. Ein sicherer Schutz vor Krankheitsschüben ist durch Ernährung allein jedoch nicht gewährleistet. Regelmässige gastroenterologische Kontrollen und eine geeignete Therapie bleiben wichtig.

Wann ist eine professionelle Ernährungsberatung sinnvoll?

Insbesondere bei ungewolltem Gewichtsverlust, nachgewiesenen Nährstoffmängeln, ausgeprägten Unverträglichkeiten, Darmstenosen, vorausgegangenen Darmoperationen oder geplanten speziellen Ernährungstherapien ist eine qualifizierte Ernährungsberatung sinnvoll.

Mein Fazit: Weniger Verbote, mehr individuelle Lösungen

Die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Das gilt auch für die Ernährungstherapie.

Während früher häufig pauschale Diätempfehlungen ausgesprochen wurden, zeigen moderne Studien, dass gezielte Ernährungskonzepte insbesondere bei Morbus Crohn eine therapeutische Wirkung entfalten können.

Gleichzeitig wissen wir, dass Ernährung nicht für alle Patienten gleich funktioniert. Eine vermeintlich gesunde Ernährungsweise kann bei einer Person gut verträglich sein und bei einer anderen erhebliche Beschwerden verursachen.

Meine Empfehlung lautet deshalb: So wenig Einschränkungen wie nötig, so viel Vielfalt wie möglich und gezielte therapeutische Ernährung dort, wo sie medizinisch sinnvoll ist.

Entscheidend sind eine ausreichende Nährstoffversorgung, die Kontrolle der Entzündung, eine gute Lebensqualität und eine langfristig umsetzbare Strategie.

Die individuell geeignete Ernährung wird durch eine moderne medikamentöse Therapie und regelmässige Verlaufskontrollen ergänzt. Beide Ansätze sollten aufeinander abgestimmt werden.

Ernährungsberatung und Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen bei Vivomed Bern

Bei Vivomed – Gastroenterologie Bern betreuen wir Menschen mit Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Eine individuell abgestimmte Behandlung berücksichtigt die Krankheitsaktivität, den Ernährungszustand, mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die persönliche Lebenssituation.

Wenn Sie unter wiederkehrenden Beschwerden leiden, unsicher bezüglich Ihrer Ernährung sind oder eine gezielte Ernährungstherapie bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa in Betracht ziehen, beraten wir Sie gerne.

Unser Ziel ist eine möglichst langfristige Entzündungskontrolle bei gleichzeitig hoher Lebensqualität – ohne unnötige Ernährungseinschränkungen.

Vivomed – Gastroenterologie Bern
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E-Mail: vivomed@hin.ch

Wissenschaftliche Quellen und Leitlinien

  1. Svolos V, Gordon H, Lomer MCE, et al. European Crohn's and Colitis Organisation consensus on dietary management of inflammatory bowel disease. Journal of Crohn's and Colitis. 2025;19(9):jjaf122. DOI: 10.1093/ecco-jcc/jjaf122.
  2. Levine A, Wine E, Assa A, et al. Crohn's Disease Exclusion Diet Plus Partial Enteral Nutrition Induces Sustained Remission in a Randomized Controlled Trial. Gastroenterology. 2019;157(2):440–450.e8. DOI: 10.1053/j.gastro.2019.04.021.
  3. European Crohn's and Colitis Organisation (ECCO). Dietary Management of Inflammatory Bowel Disease: An ECCO Consensus. 2025. ECCO-Fachinformation.

Vivomed - Gastroenterologie Bern – Ihre Facharztpraxis für Magen-Darm-Erkrankungen, Hepatologie und endoskopische Adipositastherapie.

 

Medizinisch geprüft durch Dr. med. Stefan H. Schlosser, Facharzt FMH für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin, FEBGH. Zuletzt fachlich geprüft Oktober 2026. Die Informationen ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Therapieempfehlung.